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  • Marta Lock, Art criticism

Interview mit Marta Lock, Art Critic, Italy:

Aktualisiert: 22. Nov.

Thomas Christian Koller, von der Fotografie zur Malerei

zum Erzählen ohne Worte

 


[GER]

Auf dem Land und in engem Kontakt mit der Natur aufzuwachsen, ermöglichte es ihm einerseits, seine reflektierende, introspektive Seite zu entwickeln die ihm stets ein offenes Ohr für seine Umgebung und die daraus resultierenden Empfindungen bot. Um zu experimentieren, bis das erreicht ist, was ihr gegenwärtiger, ihr endgültiger Stil ist, derjenige, in dem sie das Gefühl hat, ihre schöpferische Begabung voll zu verwirklichen.


Der Österreicher Thomas Christian Koller begann mit der Fotografie, als Autodidakt und daher mit dem Geist der Initiative, die Techniken der Dunkelkammer zu entdecken, sowie der langsamen Beobachtung der Realität, um die Details zu erfassen, die zu verewigen sind.

In einer zweiten Phase beginnt er sich der digitalen Fotografie anzunähern, die schneller, formbarer und auf der Basis modifizierbar ist, fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten, die die Technologie bietet, begann er mit Modefotografie über Akt und spezialisierte sich auch auf Porträtfotografie.


Doch nach einiger Zeit reichte die Technik nicht mehr aus und Koller wandte sich der Malerei zu und entdeckte das sie das Medium ist, mit dem er am intensivsten seinen eigenen Charakter, seine Emotionen, all das, was er während seiner Selbstentdeckungsreise empfunden hat und langsam das Bedürfnis verspürte, hervorzukommen.


Es war also ein schrittweiser Weg der Protagonistin von heute, ein Weg, der Hand in Hand ging mit der Fähigkeit sich zu vertiefen und der angeborenen Fähigkeit zuzuhören, auf alles Äußerliche zu hören, um es zu verinnerlichen und erst später auszudrücken.


Sogar im Bereich der Malerei musste Koller experimentieren, stilistische Versuche machen, die ihn schließlich in die Dimension des abstrakten Expressionismus führten, jener irrationalen und interpretativen Welt, die den Ausführenden des Werkes die Freiheit gibt, sein Inneres ohne jede Norm oder Regel des Bildes auszulassen. Empfindungen zu finden, die in der täglichen Realität allzu oft vergessen werden, oft einfach deshalb, weil man nicht in der Lage ist, sich mit ihnen zu verbinden.


Die letzte Inszenierung spielt mit den drei Grundfarben Rot, Weiß und Schwarz, die den reinen schöpferischen Instinkt darstellen, der von der inneren Welt des Künstlers ausgeht und den Betrachter dann durch jene Spontaneität dazu anregt, sich dem Kunstwerk zu nähern.


Die Serie «Color Transformation» scheint eine Metapher für die Fluidität des Daseins zu sein für jene Veränderlichkeit die nicht nur der Neigung von Ereignissen und Umständen zuzuschreiben ist, die die objektive Realität verändern, sondern auch der vielfältigen und multilateralen Sichtweisen die durch die Einzigartigkeit jedes Individuums, ja sogar eines einzigen, in verschiedenen Lebensphasen erzeugt werden.


Die Facetten der Realität treten durch die drei Grundtöne hervor aus denen sich wechselnde Formen von Werk zu Werk ergeben und die dadurch unterschiedliche Empfindungen hervorrufen, weil sich die Betrachtungsposition des Künstlers ändert, Die Ausdruckskraft wird manchmal narrativer, zielt darauf ab, das Gefühl des Koller-Anfangs zu erzählen, oder die Absicht des Malers zu malen.


Es geht darum, Überlegungen anzustellen, Fragen, auf die nur der Rezipient seine persönliche Antwort geben kann, indem er sich von jener repräsentativen mehr oder weniger turbulenten Explosion loslässt, die seinerseits vom individuellen Lebensweg von der Erfahrung eines jeden und von der Phase in der er sich befindet, geleitet wird.


Was Thomas Christian Koller beeindruckt ist die Positivität, die Natürlichkeit, die Fähigkeit, immer das Positive zu finden, die Entwicklung unter allen Umständen oder Geschehnissen, die konstante Inspirationsquelle in seiner Malerei sind.



Lassen Sie uns nun in diesem Interview mehr erfahren.



1.Thomas, es war ein langer Weg, um sich seiner künstlerischen Neigung bewusst zu werden. Wann erkannten Sie, dass Sie sich der Malerei zuwenden mussten? Was hat Ihnen von Ihrer Erfahrung als Fotograf am besten bei der neuen expressiven Herangehensweise gedient?



Ein kreativer Mensch war ich schon seit Kindheit an. Das Formen und Gestalten war und ist für mich immer wichtig gewesen.


Es gibt für mich zwei Arten der Gestaltung: Die Erste ist du hast eine Idee im Kopf und setzt sie ins gewünschte Ergebnis um - so wie bei der „Serie One.“


Die zweite Art, die für mich viel interessanter ist, erachte ich in der „Serie Second“. Du fängst ohne Idee an und hast keine Ahnung, wohin die Reise deines kreativen Schaffens und Denkens geht, absolute Leere in dir drinnen. Du lässt einfach die Energie in dir fließen und verbindest dich mit dem Medium, das du gestalten willst. Wie in meinem Fall die Leinwand oder Malgrund und die Farbe! Du setzt erste Schaffensschritte mit dem Auftragen der Farbe, rein gedankenlos. Du beobachtest die ersten Veränderungen, die dein künstlerisches Handeln auf der bis dahin jungfräulichen Malgrund bewirkten. Die Richtung deiner gewünschten Arbeit bzw. deines Werkes wird sich dann in mehreren Prozessen des Farbe Auftragens ergeben und wird somit zu einen Bildkonzept. Auch das Verwerfen und das Zerstören einer Arbeit bzw. des Prozesses gehört zu den wesentlichen Bestandteilen dazu.


Obwohl ich auch andere Formen der Kunst und Malerei sehr schätze, finde ich mein kreatives Schaffen eher in der Abstraktion, dies aus dem einfachen Grund, weil sie ja absurdum geführt wird. Bei der abstrakten Kunst, sprich Malerei steht am Anfang nicht fest, in welche Richtung es gehen soll. Das kuriose daran ist, dass das Werk dann meistens für den Betrachter gegenständlich wird.


Diese Gegenständlichkeitswerdung ist von Mensch zu Mensch verschieden und liegt somit vollkommen im Auge des Betrachters!


Die Fotografie ist eine großartige Schule des Lebens in Richtung Kunst und Gestaltung. Große Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst wie Gerhard Richter haben auch mit der Fotografie angefangen. Für mich ist aber auch Fotografie zeichnen mit Licht und der Ausdruck „Lichtbildner“ gefällt mir ja eigentlich besser als Fotograf. Dieses Medium soll man nicht unterschätzen, wenn man die Parameter von Einstellungen für ein gutes Lichtbild braucht. Fotografie ist viel mehr als nur auf einen Auslöser zu drücken. Die beste, teuerste Kamera hat auch noch nie das beste Bild gemacht, sondern vielmehr die Persönlichkeit eines Lichtbildners/ Fotografen, der hinter dem „Gerät“ Kamera steht, den Blick darauf fokussiert Schönes richtig einzufangen und Kreativität mit der Technik zu verbinden versteht und vieles mehr.


Aus der Fotografie habe ich mir mitgenommen, nicht einmal bewusst, sondern rein intuitiv, dass ich gerne zur monochromen Farbgestaltung oder zu reduzierten, erdigen Farbtönen greife. Mich auch nur auf zwei, drei Farben konzentriere (wie bei Serie Second), wobei die kräftigen komplementär Farben derzeit nicht in meiner Arbeit zu finden sind.


Die Fotografie ist auch der beste Lehrmeister mit Licht und Schatten, zart und kräftig weichgezeichnet und scharf zu experimentieren. Diese gestalterischen Elemente spiegeln sich auch in meinen Arbeiten und sind sowohl auf den Fotos als auf den Bildern zu finden.


132 Color Transformation Acryl on Hahnemühle Paper 30 x 40 435 g/m² 2022


2.Was kann der Kontakt mit der Natur dem heutigen Menschen lehren, der allzu oft in den Hintergrund der Dringlichkeit des Lebens gerückt wird? Glauben Sie, das ist der Schlüssel zu einer positiven und enthusiastischen Einstellung zur Existenz?


Der heutige stressgeplagte Mensch kann durch den Kontakt mit der Natur WIEDER sehr viel lernen, sowie den Einklang mit Allem zu erfassen und in die eigene Gefühlswelt einzutauchen. Dies ist nur einer von vielen Schlüsseln, welcher zu einer positiven Lebenseinstellung führt.


Wie bereits die Impressionisten versuchten das Flair der Natur, aber auch die faszinierenden Details eines alten Baumstumpfes, eines vermoosten Steines auf die Leinwand zu projizieren, so kann der Mensch durch dieses intensive Besinnen vielleicht wieder zurück aus der Sackgasse der Disharmonie und der Zerstörung finden.



143 Schüttung Acryl on Canson Paper 42 x 58 cm 210 g/m² 2022


3. Obwohl Sie aus einer Familie von Geschäftsleuten stammen, verfolgten Sie immer ein anderes Ziel, nämlich Kreativität und Kunst. War es schwierig, sich in einer Welt zu behaupten, die so viele Unbekannte und unglaublich konkurrenzfähig ist wie die der Fotografie und dann der Malerei? Welches sind die Haupthindernisse, auf die Sie gestoßen sind?


Die Kindheit im Geschäft meiner Großmutter war für mich sehr prägend. Wir hatten einen Lebensmittel Handel mit eigener Bäckerei. Sie können sich gar nicht vorstellen wie cool es war als kleines Kind mit der Groß Oma im Geschäft zu sein, Wurstsemmeln zu verkaufen, frisches Gebäck wie Semmeln und Brot und vieles mehr. Der Duft nach frischem Brot zu riechen aus der eigenen Backstube. Oder haben sie schon einmal Geschäftsinventur mit ihrer eigenen Oma gemacht? Wir hatten die lustigste Inventur auf der Welt. Ich lernte zählen der Ware, Listen führen, Ermittlung des Warenschwunds und Warenkunde im Lebensmittelhandel auf spielerische Art und Weise. 10 Tafel Bensdorf Schokolade sollen laut Liste im Lager sein, tatsächlich mit der Oma gezählt haben wir nur 8 Tafel und eine hat man dann als Belohnung für sich bekommen. Bitte welches Kind erlebt das heute noch?


Eine Portion an Betriebswirtschaft, Verkauf, Marketing, hart arbeiten, die richtigen Leute zu kennen und sogar ein wenig Glück sind der Garant für ein wenig Erfolg im Künstlerleben. Zumindest habe ich mir das aus meiner Kindheit mitnehmen können/dürfen. Natürlich muss man auch die Gabe haben etwas zu schaffen, das den Leuten auch gefällt. Da der gefallen einer Arbeit bei Menschen sehr subjektiv ist, manchmal auch schwer zu treffen ist und darüber hinaus auch die Konkurrenz sehr groß ist, ein ziemlich schwieriges Unterfangen.


Vergleichen sie einmal den Lebensmittelhandel, wo ich meine Kindheit verbrachte mit der unglaublichen Konkurrenz in der zeitgenössischen Kunst mit wirklich großartigen Arbeiten, die sich derzeit am Markt befinden. Glauben sie wirklich, wenn ich als Künstler nur in meiner kreativen Phase meines Schaffens so erfolgreich wäre, dass ich davon leben könnte?


Kunst ist in Wahrheit ein hartes Business, das weit über die einzelnen künstlerischen Schaffensphasen hinausgeht. Von einem verkauften Bild kann kein Mensch sein Leben aufbauen.


Du musst hart daran arbeiten, danach brennen etwas zu gestalten und du musst sehr viel Glück haben interessierte Käufer kennen zu lernen, denn es gibt dir kaum einer eine zweite Chance.


Mein guter Fotografen Freund Petro Salvador sagte einmal zu mir: „Thomas orientiere dich immer nur an den Besten“



142 Color Transformation Acryl on Hahnemühle Paper 30 x 40 435 g/m² 2022


4. Sein Stil wird durch zwei verschiedene Serien, One und Second strukturiert. Wollen Sie mit uns darüber reden? Hatte Ihre Art von Bildsprache Lehrer, die Sie inspiriert haben?


Einen Lehrmeister hat meine neue Bildsprache nicht! Nein, im Gegenteil ich verachte eigentlich so manche „Mal Kurse“ die derzeit sehr häufig am Markt angeboten werden. Diese Kurse werden eigentlich nur wegen des Geldes abgehalten. Ich sehe es ein, jeder muss sein Leben finanzieren, nur leider hat man auch den untalentiertesten Malschülern den Glauben gelassen, dass er/sie eine Begabung hat. Diese Untalentierten besuchen nicht nur einen Kurs, sondern buchen gleich mehrere Seminare bei den verschiedensten Künstlern und werden doch am Ende kläglich mit ihrem künstlerischen Zielen scheitern. (WER SAGT EINEM DIE WAHRHEIT SOLANGE GELD FLIESST ???). Somit wird auch der Markt mit Bildern überschwemmt.


Das ist richtig, dass diese zwei Serien sehr unterschiedlich sind. Dies Ist aber auch mit Absicht so gewählt, da beide etwas anders aussagen. Wenn man sich auch große Meister der zeitgenössischen Kunst betrachtet, haben sie im Laufe ihres Schaffungsprozesses auch oft mehre Serien.


Nehmen sie mal Laary Poons oder Gerhard Richter her, sogar Hermann Nitsch hat 2020 zwei Jahre vor seinen Tod eine neue Serie gestaltet in strahlenden Blumenfarben. Auch wenn Serien der Künstler oft unterschiedlich sind, haben sie doch die gleiche Handschrift und auch den „Wiedererkennung Wert“ für den Kunstinteressierten Betrachter!


Wie es zur „Serie Second“ kam? Ich wollte schon lange etwas Neues machen, eine ganz neue Linie, hatte da auch schon viele Gedanken im Kopf. Zwei Tage vor Hermann Nitsch Tod hatte ich da so einen Einfall „Reduktion“, Reduktion in Farbe und Malmitteln. Ich wollte einfach bei dem Wahnsinn, was mir die Industrie an Malmitteln zur Verfügung stellt, nicht mehr mitmachen. So beschloss ich, mich sich auf das wesentliche der Malerei zu konzentrieren. Malgrund, Acryl Farbe, Wasser, Pinsel, und sonst nichts. Dies war eigentlich der Grundgedanke dieser Serie und das kleine Format 40 x 30 cm. Ich finde dieses Format hat auch eine Berechtigung in Galerien zu hängen, die heutzutage nur mehr mit Großformaten bestückt sind.


Haben sie schon einmal von Albrecht Dürers „Der Hase“ in der Wiener Albertina gesehen? Wie klein der ist …..und doch kommt dieses einmalige Kunstwerk ganz groß rüber!


Und genau so ist es mit dieser „Serie Second“, die hauptsächlich auf feinsten Hahnemühle Papier gefertigt wird, in einen passenden Pass` Partout „ groß“ erscheinen kann.



122 Homage to Prof. Hermann Nitsch, Acrylic on wooden background 50 x 50 x 4 cm 2022


5. Wien, Rom. New York, das waren die Länder, in denen er seine Werke ausstellte: Was sind die nächsten Projekte?


Ich finde es gibt in einem Leben als kreativ Schaffender drei Säulen, die man gleich hochhalten sollte: das kreative Schaffen, das Marketing, die Ausstellung, kurz genannt SMA. Wobei Zeit für neue Projekte, Ideen und Gesundheit nicht fehlen darf.

Sicher gibt es da so Gedanken wie eine Soloausstellung der neuen Arbeiten z. B.: in Rom zu präsentieren, oder eine Ausstellung in Barcelona, der Asiatische Raum würde mich auch interessieren.

Man darf aber nicht vergessen, dass all dies auch finanziert werden muss!


Es wäre ein faszinierender Gedanke mit meinem Kunstfreund/ Mentor Fine Art Lorenz in Australien, der aus der gegenständlichen Malerei kommt und großartige Arbeiten zaubert, immer mit kleinem Pinsel arbeitet, ein großes, abstraktes Bild gemeinsam zu malen.


Na ja, sind so Gedanken und zeitweise Träumereien…….die aber auch wahr werden können.


„Aber in erster Linie will ich mich wirklich ganz in Ruhe der Malerei für 2023 widmen“, und viele Ideen auf einen Malgrund bringen, sei es Leinwand, Papier oder Holz.





Vielen Dank Marta,

dass ich bei Dir sein durfte.










114 Color Transformation Acryl on Hahnemühle Paper30 x 40 435 g/m²2022





MARTA LOCK


Kunstkritikerin und Buch Autorin


Geboren: 30. Dezember 1970, Italy


Bücher: La sabbia del Messico, Miami Diaries, Notte tunisina, Quall'anno a Cuba, Antonio Servillo, Ritrovarsi a Parigi



https://ilmondochece.com/2022/11/19/le-interviste-di-marta-lock-thomas-christian-koller-dalla-fotografia-alla-pittura-per-raccontare-senza-bisogno-di-parolele-interviste-di-marta-lock/?fbclid=IwAR030n74FZunhl7c8ReUeSfQhghFjfyFFO3-kXnj5NAMPcWos9ZdqUvwx14